Spielbericht
1.FSV Mainz 05 - St.Pauli
1 : 1
(Aus
der Sicht des Mainz 05 Fanīs Bratwurst )
Enttäuschung sollte sich nach dem 1:1 gegen St. Pauli nicht breit machen. Keiner der 15.500 Zuschauer - so viele kamen selbst am Fastnachtsfreitag an den Bruchweg - musste am Ende mit dem Gefühl nach Hause oder in die nächste Kneipe ziehen, mal eben noch mit einem blauen Auge davongekommen zu sein. Denn unsere Jungs hatten ein unglaubliches Powerplay aufgezogen, das dank eines geschickt spielenden FC St. Pauli, eines hervorragenden Gäste-Keepers Heinz Müller, einer Menge Portion Glück und eines stark übermotiviert und somit etwas hektisch agierenden 05-Teams nur mit einem Unentschieden endete.
Dem vielfach geäußerten Urteil eines Teils der Journaille, dass der FSV hier knapp an einer Blamage vorbeigeschlittert sei, muss man mit Unverständnis begegnen. Ganz im Gegenteil: Was der FSV da in den ersten 30 bis 35 Minuten abbrannte, war zum großen Teil ein Feuerwerk spielerischer Knaller. Wie flink und sicher die 05er durch die dicht aufgezogenen Reihen der Hanseaten kombinierten, wie schnell sie ihr Spiel aufzogen und dem Gegner das Tempo diktierten, das war zum Teil schon Schwindel erregend.
Der FSV hatte eine Chance nach der anderen, doch das Tor schien wie vernagelt. Mehr als einmal stockte den Zuschauern der Atem, als Voronin oder Niclas Weiland nur um Haaresbreite scheiterten. Ein Aufschrei ging durchs Stadion, als Azaouagh nach einem wunderschönen kurzen Solo den Ball mit einem satten Schuss an die Latte knallte. Was hat der Junge für einen unheimlichen Bums im Fuß
St. Pauli machte alle Löcher dicht, setzte auf Konter, die der FSV durch sein starkes Pressing im Keim erstickte, aber auch auf Standardsituationen: Stefan Blanks Freistoß krachte in der 38. Minute ans Lattenkreuz. Nur wenige Zentimeter mehr nach rechts, und Dimo Wache hätte keine Chance gehabt.
Unsere Jungs ließ das anscheinend kalt, denn sie stürmten munter weiter. Es machte einfach riesigen Spaß, dabei zuzusehen. Nur die Tore fehlten - noch. Aber das musste in der zweiten Hälfte einfach besser werden, da waren sich die meisten Zuschauer sicher. Dafür versprühte der Auftritt der Rot-Weißen zu viel Spielfreude.
Schon wähnte sich der Autor mitten drin in einem wunderschönen Abend, durfte er doch zum einen an einem für ihn nicht unwichtigen Jahrestag und obendrein an Fastnacht ein absolutes Spitzenstimmungs-Heimspiel der 05er besuchen, da lähmte ihn indes schon kurz nach Wiederanpfiff jähes Entsetzen. Weder Marco Rose noch Sven Christ dürften in der 49. Minute bereits richtig auf dem Platz gewesen sein. Ihr Gegenspieler Oliver Held hingegen schon. Der Ball landete vor seinen Füßen und musste nur noch über die Linie gedrückt werden. Schlagartig wurde es ruhig im Stadion.
So ganz stimmt das freilich nicht, denn unsere rund 2000 St. Paulianer nebst ihren dichten Schottenfreunden - na gut, es waren auch einige Paulianer dicht - tobten ausgelassen auf ihren Rängen (und pissten).
Einmal kurz die Konzentration verloren - vielleicht zu sicher gefühlt? - und schon war der Spielverlauf völlig auf den Kopf gestellt. Egal - denn der eigentlich Sturmlauf unserer Jungs begann erst jetzt. Genüsslich zu sehen, wie einige von ihnen inzwischen sogar vor Selbstvertrauen strotzen: Herrlich, wie unser "Küken" Mimoun Azaouagh den Ball führte und mehrfach aufs Gästetor katapultierte. Welch ein Glück für St. Pauli, dass Heinz Müller zwischen den Pfosten stand.
In der 65. Minute war es dann wie eine Erlösung, als der Ausgleich fiel. Dennis Weiland servierte mal wieder eine der x-ten Ecken in den Strafraum, und schwupp war der lange Marco Rose zur Stelle, köpfte die Kugel gekonnt in den rechten Winkel. Applaus, Narhallamarsch! (Und natürlich erstes Profi-Tor für Marco)
Auf geht's, der Siegtreffer muss noch drin sein. Insgeheim mögen einige gedacht haben, dass der Tabellen- und geografische Nachbar zu Hause bereits 2:0 gegen den KSC führte. Im Hinterkopf war wohl auch noch der kurzzeitige Rückstand aus dem Hinspiel, das 4:1 für uns endete. Doch von dieser St.-Pauli-Mannschaft war diesmal so gut wie nichts mehr übrig geblieben. Sie zog sich jetzt am Bruchweg vor den eigenen Kasten zurück, lauerte aber weiterhin auf Konter. Immerhin rückte der FSV nun weiter auf und bot somit mehr Raum für schnelle Gegenzüge. Wirklich gefährlich war jedoch allenfalls eine verunglückte Rückgabe von Mathias Abel in der 84. Minute.
Was war nur los? Selbst viele 05-Füße konnten den Ball nicht hinter die Linie befördern. Zu hastig wirkte das manchmal, zu ungeduldig. Und unserem Goalgetter Voronin fehlten obendrein ein wenig Frische und Glück. Dann war die Zeit plötzlich abgelaufen. Trotz diverser Unterbrechungen - das unwürdige Spiel von Inceman und diverse Verzögerungen wollen wir nun mal nicht erneut diskutieren - ließ Schiri Schalk kaum nachspielen.
Sei es drum. Auch Jürgen Klopp muss es so gesehen haben, denn das Spiel wertete er alles andere als einen Rückschritt. Er wird einige Erkenntnisse in die nächste Begegnung mitnehmen können. Und da geht es immerhin um einen weiteren Mitbewerber im Aufstiegsrennen: um keinen anderen als den SC Freiburg.
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