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Wacker Burghausen
1. FSV MAINZ 05

Spielbericht Wacker Burghausen - FSV Mainz 05
0 : 2
(Aus der Sicht des Mainz 05 Fan Roger )


Fern der Heimat...

Ungefährdeter Sieg gegen die wackeren Aufsteiger

Voronin und Babatz treffen im Regen

Berge, total hohe Berge. Majestätisch bauen sich schneebedeckte Gipfel vor der in der Unendlichkeit verschwinden zu scheinenden Bundesstraße auf. Saftige Wiesen lassen leckere Kühe auf sich weiden, während der bärtige, uralte Alm-Öhi sich, vor seiner Holzhütte sitzend, an einem frischen Weißbier labt und die letzten Sonnenstrahlen dieses schönen Herbsttages genießt. Er trägt einen grünen Filzhut mir Gamsbart und heißt Sepp oder Alois, ich bin ganz sicher. Irgendwo im Tal finden wir das Stadion unseres Gastgebers, nagelneu, topmodern und der Idylle baulich angepasst. Es ist ausverkauft, Zehntausende von euphorischen Oberbayern unterstützen ihr Team lautstark, sogar ein Alphorn ist zu hören. Das wird kein leichtes Spiel für unsere Buben...

...es war natürlich ganz anders. Abfahrt des Mopsmobils um 10 Uhr morgens, an Bord noch der legendäre 100%-Sven. Autobahn, Bayerischer Rundfunk, Landstraße, Lastwagen, Burghausen gefunden. In der Ferne Ausblick auf die Gipfel des Salzkammerguts, weit weg, aber beeindruckend. Der erste Eindruck der Stadt ist mies, schlimme Bausünden überall. Dann an der Burg vorbei bergab zur Salzach und in die malerische Altstadt, und just gegenüber einer kleinen Brücke, die nach Österreich führt, befindet sich unser Hotel. Einchecken, im Restaurant wild (oder Wild) essen, schneller Weißbiertest (ne glatte Eins!) und ab zum Wacker-Sportpark. Parkplätze in vorbildlicher Lage und Anzahl, zu Fuß einen kurzen Weg durch den Wald und pünktlich bei Erreichen des Gästetribüne beginnt es - zunächst leicht - zu regnen. War ja klar.

Das Stadion ist ein ehemaliges Leichtathletikstadion mit Laufbahn; die (unüberdachte) Tribüne der Heimfans ist direkt hinter dem Tor nachträglich errichtet worden. Die Haupttribüne macht einen imposanten Eindruck, VIP- und Pressebereich befinden sich im oberen Mittelteil hinter Glasscheiben und die Gegengerade ist mit dem flachen Dach eine fast exakte Kopie der guten alten Bruchweg- Gegengeraden. Der Gästebereich ist, gelinde gesagt, sehr bescheiden ausgefallen. Kleine Stahlrohrkonstruktionen, auf denen man des hohen Zaunes wegen nur in der oberen Hälfte das Spielfeld überblicken kann, Überdachung nur durch Baumkronen vorhanden und die breite Laufbahn direkt vor der Nase. Das gastronomische Angebot überzeugt Wurstseits nicht, in Bierdingen die übliche Light-Brühe. Nicht lecker!

Kloppo kommt noch an den Gästeblock und begrüßt uns, prima! Nach und nach rücken nun auch die rund 35 Fanprojektsalzburgwochenendfahrer an und dann kanns losgehen... mit dem richtigen Regen. Und mit dem Spiel. Konsequentes Pressing unserer Buben ließ die Wackeren nicht wirklich ins Spiel kommen, und schon nach rund 20 Minuten hatte der fußballunkundige Beobachter den Eindruck, dass wir hier zumindest "zu Null" spielen würden. Dann Elfmeter, klarer Fall, Trikotzupfer bei Thurk. Schiri Kai Voss und sein Assistent waren sich sofort einig, und Vroni durfte gleich zwei Mal einnetzen. Das läuft ja gut! Zuvor wurde Dennis Weiland bei einem Burghausen-Angriff per Kopfschuss gefällt, glatte Commotio Cerebri. Herr Voss kennt das noch aus dem letzten Jahr und weiß, wie sich das anfühlt. Er hat Mitleid und beschließt, unsere Buben wohlwollend zu behandeln. Ein ziemlich klarer Elfmeter wird Burghausen verwehrt, und die Mainzer schaukeln das Ding locker und überlegen in die Pause. Zur Halbzeit ein kleineres Pfeifkonzert der Heimfans, obs dem Schiri oder der eigenen Mannschaft galt?

Überhaupt, die rund 5.700 Zuschauer haben ihren Namen durchaus verdient, von "Fans" kann da keine Rede sein. Weitgehend Stille im weiten Rund, allein bei drohenden Torchancen der Wackerer oder (vermeintlichen) Fehlpfiffen des Schiris geht ein Raunen durchs Stadion, nur vereinzelte Anfeuerungen sind zu vernehmen. Wir haben jedoch unseren Spass, und einige der alkoholbedingt leicht angeschlagenen Busfahrer nutzen die Gelegenheit, mit den in(!) unserem Block vor dem Zaun postierten Ordnern und der Staatsmacht die aktuelle Lage in der Welt im Allgemeinen und in Oberbayern im Besonderen dialektisch zu erörtern. Harmloses Geplänkel, in Bayern ist es halt verboten, den Zaun zu berühren. Also weiter im Kick:

Zweite Halbzeit, ich übernehme hier einen Satz wörtlich aus dem Kicker-Bericht: "Mainz lauerte auf Konterchancen, Burghausen legte den Vorwärtsgang ein, doch dem SV Wacker fehlte in vorderster Front die Durchschlagskraft." - Stimmt. Wir kontern, Vroni passt auf Babatz, ein platziertes "Bumm", und der Käse ist gegessen. Das erfolglose Anrennen der Bayern (wie das klingt...) und Dimos Rettungstaten in den letzten 15 Minuten werden begleitet von unseren Dauergesängen, die USM tanzt mit den nunmehr leicht irritierten Ordnern Polonaise und bringt diese sogar zum Schmunzeln und Mitsingen, als der Bayerische Landesvater mit Schmähgesängen bedacht wird. Schlusspfiff, Sieg. Das Team bedankt sich komplett per Abklatschen und ungeordneter Trikotübergabe bei uns Mitgereisten, Kloppo kriegt das Grinsen nicht aus seinem Gesicht und Michael Thurk fotografiert uns. Das hat trotz Regen und schlechter Sicht Spaß gemacht!

Dann nix wie zurück ins Hoterestaurant zum Weißbierfassen und DSF schauen. Bei den anwesenden einheimischen Hobbyfußballern keinerlei Regungen oder sonstige Äußerungen zum Spiel, wie auch in der ganzen Stadt vor dem Kick sich nicht wirklich jemand für den SV Wacker zu interessieren schien. Trotzdem überall sympathische Leute, und der Wirt quittiert die sich in regelmäßigen Abständen wiederholende Frage: "Darf ich bitte noch ein leckeres Weißbier haben?" mit einem begeisterten "Ja, freilich, unbedingt!". Ein netter Abend mit zwei weiteren Mainzern, schlafen, aufstehen, Pressefrühstück mit Vertretern von Rheinzeitung, AZ, Blutgrätsche.de und Kigges.de, und "Auf geeehts!", heimwärts.

Fazit: Irgendwie eine kultige Auswärtsfahrt, ein starker Auftritt unserer Buben gegen einen Aufsteiger, der sein Pulver zunächst verschossen zu haben scheint. Der Sieg schien zu keinem Zeitpunkt gefährdet. Nun kommt der KSC, vor hoffentlich vollem Haus eine Pflichtaufgabe in der Mission, sich oben festzusetzen. Zwei Punkte auf die Aufstiegsränge, acht nach unten, es läuft!



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